Sanft schimmert die Bühne des Figurentheaters Lilarum vor den jungen Kindern und ihren Erwachsenen. Und nun geschieht das Wunderbare – das Saallicht erlischt allmählich, in einem gefühlten Zeitraum von Minuten: Statt Beschleunigung, statt möglichst viel in möglichst kurzer Zeit verdichtet zu vermitteln, steht hier die radikale Entschleunigung auf dem Programm für junge Menschen. Die Figuren und das Bühnenbild schaffen ein angenehmes haptisches Empfinden – ihre Gestaltung hätte dem Spätwerk von Henri Matisse Ehre bereitet. So beginnt, seit über vier Jahrzehnten, jede Vorstellung im Lilarum.

Nun erklingen Stimmen – sonst im Burgtheater zu hören –, sowie Klänge, die minimal und punktgenau Geschichten, Bewegungen, Räume und Bilder miteinander verbinden. Selten ist eine so ausgearbeitete Performance in dieser Qualität zu sehen. Das weiß auch das Wiener Publikum: Zahlreiche renommierte Kunstschaffende sitzen mit ihren Familien im Saal, hinter der Bühne wirken engagierte künstlerische Persönlichkeiten, die gesellschaftliche Arbeit sinnstiftend in immer neue künstlerische Formen gießen.

Mit großer Betroffenheit und tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Traude Apel-Kossatz, die am 18. Juni verstorben ist. Als Gründerin des Figurentheaters Lilarum hat sie einen einzigartigen Ort geschaffen, an dem sehr junge Menschen früh mit Kunst auf höchstem Niveau in Berührung kommen, beziehungsweise – berührt werden. In einer Zeit, in der kulturelle Bildung oft zurückgedrängt wird, hat sie mit unerschütterlicher Überzeugung dafür gewirkt, Kindern das Potenzial zuzutrauen, Kunst in höchster Qualität wahrzunehmen und für ihren weiteren Lebensweg mitzunehmen. Unter ihrer Leitung entwickelte sich das Lilarum zu einer singulären Institution, deren künstlerische Qualität weit über Wien hinaus Resonanz fand.

Wir sind dankbar für die Vision, die Traude Apel-Kossatz uns geschenkt hat. Ihr künstlerisches und pädagogisches Vermächtnis verpflichtet uns, das KinderKunstLabor im Sinne höchster Qualität für junge und sehr junge Menschen weiterzuentwickeln: als Ort der Offenheit, der Neugier, der Vielfalt und der ernst genommenen jungen Perspektive, von der Erwachsene lernen können.

Unsere Gedanken sind bei ihrer Familie, bei allen, die ihr nahestanden, und bei den vielen jungen Menschen, deren Wege sie begleitet und geprägt hat. Wir werden Traude Apel-Kossatz als herausragende Persönlichkeit des Kulturlebens und als zutiefst menschliche, zugewandte Theatermacherin in dankbarer Erinnerung behalten.

KinderKunstLabor und die künstlerische Leitung Mona Jas

© Tom Poe
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